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Die totale Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009

© Hans-Dieter Gera
 
Abb. 1: Die totale Sonnenfinsternis vom 29. März 2006. Aufnahme: Hans-Dieter Gera, Nikon D70, 400mm Teleobjektiv
 
 

Eine totale Sonnenfinsternis (Abb. 1) zählt zweifellos zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen, die wenigsten Menschen haben je eine solche gesehen. Dies nimmt nicht Wunder, ist doch eine solche Erscheinung für einen bestimmten Ort sehr selten.

So war die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland am 11. August 1999 zu beobachten. Diese dürfte den meisten unter uns noch als die legendäre "Regenfinsternis" in Erinnerung sein, da die meisten Beobachter anstatt einer Kamera mit Teleobjektiv einen Regenschirm brauchten. Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland wird erst am 3. September 2081 zu beobachten sein. Diese ist insoweit bemerkenswert, als dass diese zum gleichen Saroszyklus (No. 136) wie die Finsternis gehört, um die es hier gehen soll.

So nehmen die Finsternissüchtigen oft weite Reisen auf sich, nur um in den Genuss einer totalen Sonnenfinsternis zu kommen, die nur wenige Minuten währt. So musste man sich für die letzte totale Sonnenfinsternis vom 1. August 2008 nach Sibirien, in die Mongolei oder nach China begeben.

 
Verlauf der Sonnenfinsternis
 
Globaler Verlauf der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009
 
   

Für die totale Sonnenfinsternis vom Mittwoch, dem 22. Juli 2009, sieht es für Reisemuffel auch nicht günstiger aus. Wieder ist hier der Ferne Osten begünstigt, so u. a. auch erneut China in der gesamten Ost-West-Ausdehnung des südlichen Teils.

Aber wie so oft verläuft der größte Teil der Totalitätszone inklusive des Punktes der größten Finsternis über Meer, so in diesem Falle über den Pazifischen Ozean. Und dort befindet sich nur eine Hand voll Inseln, die zu erreichen nicht gerade leicht sein dürfte. Trotzdem lohnt die Reise, zählt diese Sonnenfinsternis mit einer Totalität von 6m39s doch zu den längsten überhaupt und liegt nur knapp 1m unter dem maximal erreichbaren Wert von 7m32s.

Abb. 2 zeigt den globalen Verlauf der Finsternis. Erstmals berührt der Kernschatten des Mondes die Erdoberfläche bei 15,1°N und 59,6°E um 0h06m UT. Dieser Punkt liegt ca. 1.000km westlich vom indischen Mumbai (früher Bombay) im Arabischen Meer. Auf der Abb. 2 ist das die äußerste linke vertikale Linie, markiert durch die Ziffer 1. Dort endet die Finsternis jedoch bei Sonnenaufgang.

Gut beobachtbar wird die Finsternis allerdings erst, wenn der Mondschatten ca. 100km nördlich von Mumbai den indischen Subkontinent erreicht (Ziffer 2). Dort erreicht die Finsternis jedoch ihr Maximum (Totalität) bei Sonnenaufgang. Bei Punkt 3 beginnt die Finsternis bei Sonnenaufgang, das Maximum wird bei 13° Sonnenhöhe erreicht. Erst ab diesem Bereich lohnt die Beobachtung, da eine zu tief stehende Sonne oft von Wolken verschluckt wird, insbesondere morgens nach Sonnenaufgang.

Der Mondschatten läuft nach Osten quer über Nordindien und berührt danach noch Nepal, Bangladesh und Bhutan, ehe er die chinesische Grenze überschreitet. Danach wird noch der Norden von Myanmar gestreift. China bietet hinsichtlich Sonnenhöhe und Totalitätsdauer schon recht gute Bedingungen, sodass sich die meisten Beobachter dort postieren werden. So bietet Shanghai am Ostchinesischen Meer immerhin schon 5m30s Totalitätsdauer um 1h38m UT bei einer Sonnenhöhe von 57° (Abb. 3). Aber auch die weiter westlich liegenden Städte bieten sich an: So währt die Totalität in Wuhan ebenfalls 5m30s bei 48° Sonnenhöhe um 1h27m UT. Chengdu hat um 1h13m UT bei einer Sonnenhöhe von 36° 3m25s Totalität, weil diese Stadt von der Zentrallinie weiter entfernt ist als Wuhan und Shanghai.

Nachdem China passiert wurde, war es das auch schon mit dem Festland. Der Mondschatten läuft knapp südlich der japanischen Insel Kyuschu über ein paar Inseln im Ostchinesischen Meer. Ca. 1000km östlich dieses Punktes knapp nördlich der Marianen-Inseln im Pazifischen Ozean wird bei 24,2°N und 144°E um 2h35m UT die größter Finsternis erreicht. Dieser Punkt ist auf der Abb. 2 durch ein Kreuz markiert. Die Totalität erreicht hier 6m39s bei einer Sonnenhöhe von 86°. Die Breite der Totalitätszone beträgt hier 258km, das ist der maximale Durchmesser bei dieser Finsternis.

Weiter eilt der Mondschatten über die Grenze zwischen den Marschall-Inseln und Mikronesien, bevor er die Inselwelt von Kiribati passiert. Kurze Zeit später überschreitet der Mondschatten um 4h05m UT bei 2,3°S und 180°E die Datumsgrenze. Die Totalität dauert hier immer noch 3m50s bei einer Sonnenhöhe von 28°. Knapp vor den Gesellschafts-Inseln und den Cook-Inseln bei 16,5°S und 145,7°W löst sich der Mondschatten um 3h24m UT wieder von der Erdoberfläche, nachdem er ca. 13.000km in knapp 3 ½ Stunden zurückgelegt hat. Auf der Abb. 2 ist dieser Punkt durch die Ziffer 6 markiert, dort beginnt bei Sonnenuntergang die Partialphase. Entsprechend den Verhältnissen zu Anfang der Finsternis markiert die Ziffer 4 das Finsternisende zu Sonnenuntergang und die Ziffer 5 das Maximum der Finsternis zu Sonnenuntergang.

 
Wie wird das Wetter?
 
Verlauf der Sonnenfinsternis in China
 
   

Wenn diese Zeilen geschrieben werden (Oktober 2008) kann natürlich keine genaue Wetterprognose gestellt werden, dies ist für einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit frühestens eine Woche vorher möglich. Auch Durchschnittswerte auf Grund langjähriger Wetterbeobachtungen sind mit Vorsicht zu genießen, sodass ich mich hier in Zurückhaltung üben will. Sicher ist eigentlich nur, dass der Wintermantel zu Hause bleiben darf.

Da die meisten Finsternisfreaks sich vermutlich in China und Umgebung herumtollen dürften, seien hier einige durchschnittliche Klimadaten für Shanghai genannt (Quelle: Wikipedia).

Südchina liegt im subtropischen Bereich, wo die Sommermonate sehr regenreich sind. Im Juli kann mit 11 Regentagen gerechnet werden. Durchschnittlich gibt es 8 Sonnenstunden pro Tag, die Tagestemperaturen können 32°C erreichen, nachts fallen sie kaum unter 25°C. Ähnliches gilt für Nordindien, doch ist hier mit weniger hohen Temperaturen zu rechnen.

 
Die Finsternis in Zahlen

Die totale Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 wird dem Saroszyklus No. 136 zugerechnet. Die gerade Nummer bedeutet, dass die Finsternisse im absteigenden Knoten der Mondbahn stattfinden. Die erste Finsternis des Zyklus fand am 14. Juni 1360 statt, die letzte wird sich am 30. Juli 2622 ereignen. Somit ergibt sich eine Zykluslänge von 1.262,11 Jahren, in dieser Zeitspanne ereignen sich 71 Finsternisse, wobei dieser Zyklus zu den eher kurzen zu zählen ist.

Von diesen 71 Finsternissen sind 15 partiell, 6 ringförmig, 44 total und 6 ringförmig-total. Die längste Totalität hatte die Sonnenfinsternis vom 20. Juni 1955 mit 7m08s. Die erste totale Sonnenfinsternis des Zyklus war am 27. Januar 1721 (Totalitätsdauer 1m07s), die letzte wird am 13. Mai 2496 stattfinden und für 1m02s total sein.

Die Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 hat innerhalb des Zyklus die No. 37 und befindet sich somit ziemlich genau in dessen Mitte. Der Gammawert beträgt 0,0696, d. h. die Achse des Kernschattens geht um 0,0696 Erdradien nördlich am Erdmittelpunkt vorbei. Die Größe der Finsternis ist 1,08, d. h. die Mondscheibe ist 1,08 mal größer als die der Sonne.

Die Daten in diesem Bericht stammen von Fred Espenak (Goddard Space Flight Center, Maryland, USA). Sehr empfehlenswert ist seine Homepage MrEclipse.com, wo es alles Wissenswerte über Finsternisse zu erfahren gibt. Die Finsterniskarten wurden mit der Software SkyMapPro9 erstellt.

 
 
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