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Die Beobachtung des Venustransit

auf der griechischen Kykladeninsel Santorin
© Wolfgang Paech/Doris Unbehaun
 

Zum astronomischen "Jahrhundertereignis" des Venustransit beschlossen wir - Doris Unbehaun+ Wolfgang Paech - wegen der doch besseren Wetterprognosen nach Santorin zu reisen.

Eingebunden in eine kleinere Gruppe, noch bestehend aus den Familien Meissen, Jungbluth, Ernst Brodkorb und Sylvia Otto war ein halber Tag Astronomie mit anschliessenden 6 Tagen Familienurlaub geplant.

Durch die sehr späte Anreise, bedingt durch die Termine der Charterflüge, war vorab die Frage des Beobachtungsplatzes völlig unklar und offen.

 
 

Wie sich kurz nach meiner Ankunft herausstellte, hatten meine Frau und ich großes Glück mit der Wahl unserer Ferienunterkunft. Eine große Terrasse mit freiem Blick nach Osten, Süden und Südwest eröffnete einen atemberaubenden Blick auf die Caldera der Insel Santorin. Somit war für uns klar, dass wir uns keinen besseren Beobachtungsplatz wünschen konnten.

Stromanschluss für den Laptop, einen großen Sonnenschirm und eisgekühlte Getränke aus dem Kühlschrank ließen wirklich keine Wünsche offen.

 
So hatten wir sicher einen der schönsten Beobachtungsplätze, die man sich vorstellen kann. Der Rest der Gruppe hatte es nicht so gut getroffen; sie war in einem anderen Hotel untergebracht, wo die Beobachtungssituation von den Terrassen nicht so optimal war. Zumindest war von dort der 1. und 2. Kontakt nicht beobachtbar. So mussten die Beobachter in Richtung öffentlichen Strand "wandern" , was zur Folge hatte, dass sich dort so etwas wie eine "Santoriner Volkssternwarte" bildete. Doris und ihr Mann kamen zu uns auf die Terrasse, da wir unsere Beobachtungen seit Jahren zusammen durchführen. 

Als Beobachtungsinstrument kam bei uns ein "altgedienter" Vixen Fraunhofer Refraktor mit 102mm Öffnung und 1000 mm Brennweite auf einer Vixen GPE Montierung zum Einsatz.

Um Fluggepäck einzusparen wurde auf die Mitnahme der Gegengewichte verzichtet und vor Ort ein Gegengewicht bestehend aus drei gefüllten Wasserflaschen und einem Stein "gebastelt".

Ein richtiges Beobachtungsprogramm war nicht geplant; klar war nur, dass ein Großteil des Transit, einschließlich des

1. und 2. Kontaktes fotografisch und der 3. und 4. Kontakt - zeitlich hochaufgelöst -mit einer Webcam aufgezeichnet werden sollten, um das Phänomens des "schwarzen Tropfens" zu ergründen. 
So begann gegen 08:21 Ortszeit bei einer Sonnenhöhe von 26 Grad das Spektakel. Zur visuellen Beobachtung hatten wir einen kleinen Borgrefraktor auf einem Fotostativ und einen Feldstecher mit Baader´s wunderbarer Sonnenfilterfolie aufgestellt, so dass wir vier den 1. und 2. Kontakt visuell sehr schön beobachten konnten. Zwischendurch konnten wir unter dem Sonnenschirm entspannen oder etwas Gutes essen.
Das Seeing war wie erwartet (durch die großen Wasserfläche, über der die Sonne stand) ganz ordentlich und über die 5 Stunden ziemlich konstant. Übrigens war bei uns visuell beim Eintritt kein "schwarzer Tropfen" zu sehen (mehr dazu weiter unten).
 

Etwas problematisch wurde die Beobachtungssituation, als die Sonne Richtung Kulmination (78 Grad) stand.

Bedingt durch das kurze Reisestativ lagen wir dann zum Teil fast waagerecht unter dem Teleskop.Zum 3./4. Kontakt, als die Webcam eingesetzt wurde, zeigte sich wieder deutlich, dass Laptopbildschirme (siehe rechtes Bild), während Sonnenschein im Freien praktisch blind sind (wir haben unter der Decke jedenfalls ordentlich geschwitzt:-))) )

Unsere Beobachtungen
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Als Aufnahmekamera kam ausschließlich eine digitale Spiegelreflexkamera Canon 300d zum Einsatz, wobei ca. alle 10 Minuten Aufnahmen im Fokus und mit einer Barlowlinse belichtet wurden (f = 2000mm). Die Belichtungszeiten lagen zwischen 1/2000 und 1/1000 Sekunde.

Objektivseitig kam ein alter, gelblich getönter Lichtenknecker Filter zum Einsatz, da die Canon sehr blauempfindlich ist, und so bereits ein Teil des unscharf abgebildteten sekundären Spektrum des Fraunhofer Objektives abgeschnitten wurde.

Da die Canonbilder bereits in digitaler Form vorliegen, ist es mit der Bildverarbeitung einfach, das Farbbild in die RGB Farbauszüge zu zerlegen, um im Graustufen-Modus weiterzuarbeiten. Das Bild rechts zeigt den Grün-Auszug, der deutlich die schärfsten Bilder liefert.

Leider gab es keine größeren Sonnenflecken auf der Sonne. In dieser Situation gibt man sich dann schon mit einem größeren Fackelgebiet zufrieden.

Die besten (schärfsten) Bilder gelangen dann auch im Graustufenmodus mit der Webcam. Zusätzlich wurde hier ein grünes Objektivfilter in Kombination mit einem Baader "Fringe Killer" eingesetzt, welches fast monochromatisch um 550nm Wellenlänge arbeitete.

Linkes Bild zeigt zwei aufaddierte Einzelbilder, aufgenommen mit einer Philipps TouCam Pro bei f = 2000mm, belichtet je 1/5000 Sekunde. Hier wird schon die Struktur der "Sonnenoberfläche" deutlich. Die Bilder entstanden kurz vor dem dritten Kontakt.

Das rechte Bild zeigt die Zusammenstellung dreier Webcambilder des dritten Kontaktes im zeitlichen Abstand von ca. 30 Sekunden .

Wobei sich auch in moderner Zeit die Frage stellen muss, die schon die visuellen Beobachter der letzten Jahrhunderte hatten: Wann genau ist der dritte Kontakt eigentlich? Durch die Bildverarbeitung (Kontrast, Tonwert und Helligkeit) läßt er sich auf den Webcambildern um einige Minuten hin- und herschieben.

Aufnahmedaten der drei Bilder wie oben, jedoch nur Einzelbilder.

Das linke Bild zeigt eine Zusammenstellung des 3. und 4 Kontaktes im zeitlichen Abstand von je ca. 120 Sekunden. Die Webcam lief in den letzten 25 Minuten durch und es wurde jede Sekunde ein Bild belichtet, um ggf. zeitlich hochaufgelöst das Phänomen "Schwarzer Tropfen" zu beobachten.

Die Serie zeigt eine Auswahl aus ca. 1500 Einzelbildern, Aufnahmedaten wie oben.

Ein paar Bemerkungen zum Phänomen des "Schwarzen Tropfens". Visuell haben wir - wie viele andere Beobachter - während des 1./2. Kontaktes nichts gesehen.

Wir sind der Meinung, dass - zumindest im Amateurbereich - die Beobachtung des Phänomens durch die Seeingkonditionen erzeugt wird und somit physikalisch praktisch nicht existiert. Unsere - zeitlich hochaufgelöste - Webcamserie zeigt das eigentlich ganz deutlich. Das rechte Bild zeigt eine Serie von vier Einzelbelichtungen (obere Reihe), wobei die beiden mittleren Bilder bei deutlich schlechterem Seeing belichtet wurden als das 1. und das 4. Bild. Die untere Reihe zeigt die oberen Bilder leicht bildverarbeitet. Wird das Seeing schlecht ergibt sich sofort

der "Tropfen", wird das Seeing wieder besser, verschwindet das Phänomen wieder. Die Bilder dieser Serie liegen nur wenige Sekunden auseinander.
 

Eine Bestätigung dieser Vermutung zeigt das linke Bild. Die drei Aufnahmen liegen jeweils ca. 30 Sekunden auseinander, wobei die Venus mit einem Kreis markiert wurde.

Die Markierungen wurden eingebracht, um sicherzustellen, dass die Venusscheibe nicht durch Seeingeffekte verformt wurde. Die Schnittpunkte des jeweiligen Kreises mit dem Sonnenrand zeigen keine geometrischen Verzerrungen.

Die Kykladeninsel Santorin

Santorin ist eine der kleineren griechischen Inseln in der Ägäis (ca. 27 km lang) und besteht aus dem halbkreisförmigen Kraterwall eines ehemaligen Schildvulkans, der vor ca. 3.700 Jahren seinen letzten katastrophalen Ausbruch hatte.

Die wenigen Städte, wie hier im Bild Oia und die Haupstadt Thira, sind von oben nach unten an den steilen, zum Meer abfallenden Kraterwall gebaut. Die Architektur erinnerte uns stark an Bilder von Hundertwasser.

Thira liegt ca. 300- und Oia ca. 250m über dem Meerespiegel, wobei für uns Oia die deutlich angenehmere Stadt war. In Thira legen alle Kreuzfahrtschiffe an, dementsprechend laut und hektisch ist die Stadt. Auch die "Shoppingmeile" ist für dieses Klientél ausgelegt. Oia ist wesentlich ruhiger und beschaulicher, viele Künstler haben sich dort angesiedelt. Es ist einfach malerischer.

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Die spezielle Lage der Städte hat einen unangenehmen Nachteil oder auch Vorteil, je nach Standpunkt. Mit dem Auto ist praktisch kein Haus zu erreichen. Es gibt nur die Möglichkeit sehr steile Treppen hinauf- oder herunter zu steigen.

Will man zum Meer hinunter, kann man sich an einigen markanten Stellen auf einem Esel einmieten und sich die 250- oder 300 Höhenmeter tragen lassen.

Am ersten Tag hatten wir ganz schön zu pusten, um die vielleicht 50 Höhenmeter von unserem Apartment zur Hauptstraße von Oia zu erklimmen, nach einer Woche ging es dann aber schon ganz flott.

Santorin ist sicher auch keine typische Badeinsel. Es gibt auf der dem Krater zugewandten steilen Seite einige sehr spektakuläre Strände, die allerdings auch nur zu Fuß (oder mit dem Boot) erreichbar sind und die meist, wegen der scharfkantigen Lavasteine, das Tragen von Badeschuhen erfordern.

Auf der der Caldera gegenüberliegenden flacheren Inselseite gibt es zwei lange feinkörnige Lavasandstrände, die allerdings nahe dem Flughafen liegen. Aber man findet auch noch kleine, malerische Strände mit herrlich klarem Wasser zum Schwimmen und Schnorcheln.

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Für den an Vulkanen oder Geologie interessierten Touristen ist Santorin allerdings ein Traum. Entstanden vor ca. 3.700 Jahren durch einen mehrfachen gewaltigen Ausbruch eines Schildvulkans, bietet die Insel von fast überall spektakuläre Ansichten und Ausblicke.

Die Ausbrüche und darus folgende gewaltige Flutwellen werden von Archäologen zeitlich in Zusammenhang mit dem Untergang der Minoischen Kultur auf der Insel Kreta gebracht, die nur 100 km entfernt liegt.

An einigen Stellen des Kraters liegen bis zu 50m mächtige Bimssteinschichten frei.

Dieser Bimsstein wurde im 19. Jahrhundert industriell in großem Umfang abgebaut und nach Ägypten zum Bau des Suezkanals verschifft. Bimsstein vermischt mit Kalk härtet unter Wasser aus.

Große Teile der Fahrrinne des Suezkanals wurden mit Bimsstein aus Santorin gebaut.

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Auf Santorin ist die geologische Aktivität auch nach 3.700 Jahren noch nicht ganz erloschen. Erst Ende der 50er Jahre, gab es ein heftiges Erdbeben, welches die beiden großen Städte Oia und Thira fast völlig zerstört haben. Viele Santoriner wanderten damals aus

Auch heutzutage bebt die Erde relativ häufig auf- und um Santorin herum (Meeresbeben).

Mit stolzen Segelschiffen kann man sich in Tagestouren zum Zentralkegel des Vulkans fahren lassen.

Der Zentralberg des Vulkans besteht heute aus zwei Inseln, die beide unterschiedlich alt sind.

Auf der größeren gibt es noch einige Krater mit Dampf- und Schwefeldampfaustritten, in den Buchten der kleineren und älteren Insel gibt es einige heiße Quellen auf dem Meeresboden, wo man in herrlich warmem Wasser schwimmen kann.

Santorin ist sicher eine Reise wert und für uns waren es 6 Tage traumhafter Urlaub nach Beobachtung des Venustransit.

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© 2004 O. u. D. Unbehaun,  Rosi- und Wolfgang Paech
 
 
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